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Newsletter 6/2020 - Konkurrenz
.pdf Dezember 2020


T

ief ist unsere Sehnsucht
nach der Heimat
des ewigen Friedens
nach dem Haus
der unendlichen Stille
und nach dem Garten
der blühenden Liebe.
Komm, mein Liebster
ich lade dich ein
komm in mein Herz
denn da wird es sein -



T

iefer Frieden heute Morgen
im Kastanienwald
und der Quelle Plätschern
kommt aus der Stille
und des Vogels Singen
führt tiefer noch in sie
Die Welt kennt keine Einsamkeit
wenn nicht durch des Menschen Geist
in dem allein es Trennung gibt
die dann des Herzens Sehnsucht
im stillen Weinen nach dem Himmel
zu überwinden sucht(1)



Wo Konkurrenz, wo Neid und Eifersucht und Missgunst herrschen,
ist keine Innigkeit und Nähe...
Danièle Nicolet Widmer




Liebe Leser

Das Ausgeschlossensein war das Thema unseres Sommer-Newsletters. Erinnert ihr euch? Diesmal, nach einem kurzen Abstecher in die Leidenschaft, machen wir einen Schritt zurück und widmen uns denjenigen Gefühlen, mit denen wir uns von dem Ausgeschlossensein zu wehren versuchen: Konkurrenz und Autoritätskonflikte, zum Bespiel.
Sobald mehrere Menschen zusammen kommen, sind diese die unvermeidlichen Begleiter im täglichen Miteinander. Nicht die Innigkeit, die Nähe, nicht die Schönheit der ersten Schneeflocken oder des Mondes, der sich nur so selten gegen den Nebel durchsetzen kann. Viel lieber als mit dem Mond, beschäftigt sich der Mensch mit Vergleichen, Neid, Eifersucht; jeder will und muss besser, klüger, erfolgreicher, schöner, grösser als die anderen sein, will Recht haben und das Eigene durchsetzen, in jeder Beziehung, im Grossen wie im Kleinen.
Samuel lehrt uns in den angefügten Texten, wie man diese Gefühle überwinden kann.
Ungeschmückt ausgedrückt, würde es zum einem darum gehen, anzuerkennen, welcher Platz einem zusteht (nicht alle sind nämlich als Könige geboren), und zum anderen zu akzeptieren, dass nicht jeder das gleiche Potenzial und die gleichen Fähigkeiten in die Wiege gelegt bekommen hat.
Hat man diese beiden Voraussetzungen eingesehen, wieso dann nicht alle Kräfte dort einsetzen, wo das Schicksal einen hingestellt hat und die ganze Leidenschaft den eigenen Fähigkeiten widmen? Dies erfordert allerdings Einsatz, Wille, Absicht, Disziplin,… leider ist es oft bequemer, sich alle anderen klein, mickrig und eng zu wünschen, als sich selbst zu bemühen. Man hat dann ein Autoritätsproblem mit den Jüngeren („Was wissen denn die schon…“), mit den Frauen („Ich bin doch der „Platzhirsch“!“), mit den Frühreiferen („Ich bin schliesslich schon seit 20 Jahren auf diesem Weg…“). Fast wie in einer Bundesverwaltung, wo die trotzige hierarchische Enge die Lebendigkeit und die gemeinsame und persönliche Entwicklung verhindern.
Wieso nicht beglückt sein, wenn jemand da ist, der die Verantwortung und die Führung übernimmt, dort wo er/sie am besten geeignet ist und blühen kann? Eine Autorität zu akzeptieren, wenn sie im Dienst des Ganzen und der Liebe steht, ist doch ganz einfach. Persönlich empfinde ich es immer als grosses Glück, wenn ich besonders fähigen Menschen begegne, die ich einerseits bewundern und von denen ich vor allem etwas lernen kann.
In dem Konkurrenzkrampf verfangen, schreit man dann nach einer Group of All Leaders; darin sind aber auch nicht alle jederzeit in Führung, sondern jeder immer genau dort, wo er dafür bestimmt ist. Alle tragen aber die Verantwortung für das Ganze, für das Gemeinsame, auch wenn das oft vergessen oder zu wenig wahrgenommen wird, weil…. es wird sich schon jemand anderer um den Raum für das gemeinsame Treffen gekümmert haben…
Es wäre mal ein guter Vorsatz für das nächste Jahr. Alle Kraft für das Gemeinsame einsetzen statt in Konkurrenz, Autoritäts- und Machtkämpfe. Miteinander statt gegeneinander arbeiten, sich aufeinander freuen statt aufeinander neidisch sein. Das würde das Zusammensein so schön, einfach, innig und nahe machen. Etwas zum sehnsüchtig danach Ausschau halten…

Eine kuschelige Weihnachtzeit

Romina Mossi
mit Danièle Nicolet Widmer und Marianne Principi

P.S. Dieser Newsletter kann auf der Website des Vereins „Samuel Widmer Nicolets Erbe“ (https://samuel-widmer.org/de/news) kostenlos abonniert werden.
Auf der Website des Vereins findet man ebenfalls alle alten Newsletter mit Texten von Samuel Widmer, sowie Samuels Rundschreiben (auf Deutsch und Englisch). Nun sind alle Rundschreiben auf Englisch übersetzt!

P.S.2. Die Newsletter findet ihr neu auch auf der Website der Kirschblütengemeinschaft (https://gemeinschaft-kirschbluete.ch/), die seit dem 13. November einen neuen Auftritt hat.


Aus: Samuel Widmer Nicolet: kirschbaumblütenblätterweiss - Die ganz, ganz neue Geschichte (unter Paul Nicolet), Roman, Basic Editions, 1999
«In einer Gemeinschaft, die sich auf Liebe begründet, scheint es immer einen Kristallisationskern zu geben, an dem sie sich bildet, an dem sich die Möglichkeit der Liebe entzündet», hatte er gesagt, Phillip, zu Pietro, heute morgen. «Kristallisationspunkt ist ganz von selbst derjenige, der am meisten liebt, diejenigen bilden ihn zusammen, die am meisten lieben. Andere darum herum, die nicht in der Liebe stehen, sondern in Wirklichkeit auf Macht aus sind, wie tatsächlich alle, die nicht in der Liebe ankern, alle, die im Besitzdenken verhaftet bleiben, verurteilen dann, dass nur einer oder zwei im Zentrum stehen. Sie finden das nicht gut. Sie fänden es besser, wenn alle gleichwertig nebeneinander stehen würden.»
«Sie haben doch recht! Das wäre doch auch besser!», hatte Pietro eingeworfen. «Alles andere schafft hierarchische Verhältnisse, autoritäre Strukturen.»
«Natürlich haben sie recht, so sollte es sein,» hatte Phillip gekontert. «Aber sie sind in ihrer Kritik nicht wahr bezüglich ihrer eigenen Motive und der wirklichen Fakten. Tatsächlich finden sie die gegebene Situation nicht gut, weil sie selbst in der Mitte stehen möchten, selbst Macht haben möchten und glauben, es sei eine Folge des Machthabens, ein Kristallisationskern zu sein. Deshalb werfen sie ihre Projektionen, die aus ihren Widerständen, ihrem Neid, ihrem tief eingefleischten Besitzdenken, ihren Autoritätsproblemen kommen, auf den Liebenden. Dass man liebt, können sie sich gar nicht vorstellen. Sie kennen die Liebe nicht. Alle sind ganz von selbst gleich wichtig, wenn die Liebe da ist. Aber die meisten Menschen kennen die Liebe nicht. Sie halten fest an Macht, Kontrolle und Besitzdenken. Wenn alle gleich sind im Lieben, sind auch alle gleichwertig in den Strukturen, die sie hervorbringen.»
Pietro fand immer wieder mal Trost darin, Sebastian als den Verantwortlichen für das zu sehen, was in seinem Leben, in seinen Beziehungen an Unberechenbarem, nicht den üblichen Mustern folgend ablief. Eigentlich wusste er genau, dass dies nicht der Wirklichkeit entsprach, dass das seine Projektion war, aber es half ihm manchmal, seine Frustration für einen Moment loszuwerden: «Ich weiss nicht», meinte er mürrisch, «ich fühle mich einfach oft manipuliert, abhängig, ein Ball im Spiel eines anderen.»
«Derjenige, der den Kristallisationspunkt in der Gemeinschaft bildet, ist tatsächlich der Abhängigste im Ganzen, derjenige, der sich am meisten ausgeliefert hat daran, der das ganze Risiko trägt, derjenige, der das Kreuz zu tragen bereit ist, wenn das gemeinsame Unternehmen misslingt, weil er am vorbehaltlosesten liebt.» Phillip verteidigte, was er vor kurzem auch noch angezweifelt hatte. Aber zum Glück waren diese Dinge in ihm zur Ruhe gekommen. Er hatte Klarheit gewonnen. «Er hat keine Macht. Darum steht er in der Macht der Liebe. Die Liebe macht dich zum Zentrum. Wenn du kein Zentrum hast, wirst du Zentrum.»
S. 48

Aus: Samuel Widmer Nicolet: Sag mir Liebste, was ist das Leben? Und sag mir Liebster, was ist der Tod? - Ein Briefwechsel zwischen Liebenden (zusammen mit Danièle Nicolet), Basic Editions, 2003
[Danièle] Würde ich jeden möglichen Platz nehmen, wenn ich erkennen würde, dass er meiner ist? Und bemühe ich mich denn um Selbsterkenntnis; und würde wirkliche Selbsterkenntnis nicht alle Autoritätsprobleme beenden, die mich dann wiederum nicht mehr hindern würden, meinen wirklichen Platz einzunehmen? Ich sehe gerade die Schönheit, die darin liegt, den mir vom Leben zugedachten Platz mit Demut zu besetzen und mit all meinen Fähigkeiten und meiner ganzen Leidenschaft auszufüllen. Darin ist es unwesentlich, ob ich Dienerin oder Königin bin, das Gefühl, der richtige Zustand darin ist derselbe: Beide dienen dem Leben, sorgen für etwas, was grösser ist als sie. Königliche Dienerin oder dienende Königin, das, was allein Erfüllung bringt und mein Leben zur Entfaltung und zum Blühen, ist, ob ich das, was ich tue, mit Liebe tue! Das Leben, wenn es sich im Einzelnen und zwischen allen in Schönheit entfalten soll, braucht viel Ehrlichkeit: Ehrlichkeit darüber, wo ich stehe, wer ich bin, wo und wer du bist… so dass Wirklichkeit sich entfalten kann in mir, in dir und zwischen uns. Denn allein aus Wirklichkeit entfaltet sich Schönheit. Alles andere wie Meinungen, Ideologien, Selbstbilder usw. bringt Unordnung, Konflikt und Hässlichkeit in und zwischen uns.
S. 64

Wenn ein anderer etwas sagt, muss man es in sich drin auf seine Wahrheit überprüfen. Dies ist gewissermassen ein wissenschaftlicher Versuch, den man in sich nachvollzieht. Wenn der andere Recht hat mit seiner Behauptung, wird sie dadurch zur eigenen Einsicht. Man macht sie sich zu Eigen. Wenn er nicht Recht hat damit, werde ich sie verwerfen und aufgeben müssen. Wenn wir nicht auf diese Weise mit Aussagen von anderen umgehen, schaffen wir die Basis für Autoritätsprobleme in uns. Darin war ich immer sehr gewissenhaft.
S. 85

Die meisten Menschen wollen einen bemitleidenswert haben. Dann können sie einen lieben. Wenn man glücklich ist, haben sie ein Problem. Ein Autoritätsproblem. Das lieben sie nicht.
S. 222

Aus: Samuel Widmer Nicolet: Zusammen leben - Gemeinschaft und Gemeinschaftsbildung, Basic Editions, 2013
Wichtig ist zu sehen, dass nicht alle Mitglieder einer Gemeinschaft dieselben Fähigkeiten und äusseren Möglichkeiten haben.
Noch wichtiger aber ist, dass auch nicht alle über dieselbe Kraft verfügen. Die einen sind berufen zum Führen, andere zum Dienen. Keines ist besser als das andere; eine Gemeinschaft braucht beides, den kundigen Führer und den willigen Diener. Unstimmigkeiten kommen auf, wo die eine Qualität höher bewertet wird als die andere.
Aber auch insgesamt haben nicht alle Menschen das gleiche Potenzial. Neid und Autoritätsprobleme verhindern oft, sich auch diesen Tatsachen zu stellen und zu fügen. Vor der Liebe sind wir alle gleich, genauso wie vor dem Tod. Aber in der Aufgabe, die wir im Gemeinsamen zu tragen haben, haben wir unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung gestellt bekommen. Viel wichtiger als diese Tatsachen zu bewerten, sich darin zu vergleichen und sie zum Anlass von Konkurrenz werden zu lassen, ist, dass wir sie nicht egoistisch nutzen, sondern dem Gemeinsamen, für Kooperation, zur Verfügung stellen. Dann löst ihr Vorhandensein nicht Streitigkeiten, sondern Dankbarkeit aus. Unterschiedliche Kraft, grösseres Potenzial, umfassen¬dere geistige Fähigkeiten oder spirituelle Kapazitäten, aber auch gewichtigere materielle, finan¬zielle Möglichkeiten stellen uns lediglich in eine grössere Verantwortung, bürden uns eine grös¬sere Last auf, die wir damit tragen sollen.
Nicht alle Menschen, die sich einer Gemeinschaft anschliessen, gehören ihrem Innersten an. Nicht alle gehören zum Kriegertrupp, zur Herzgruppe, um es so auszudrücken. Nicht alle sind durch unverbrüchliche Freundschaft miteinander verbunden. Gemeinschaft drückt sich unter anderem gerade dadurch aus, dass sie alles und alle miteinschliessen kann, dass sie nicht auf Trennung und Separation setzt, um ihre Ziele zu erreichen. Auch oder gerade eine echte Gemeinschaft kann vieles tragen, viele die noch Heilung suchen, die vorübergehende Gäste, Menschen in Ausbildung für Gemeinschaft oder ganz einfach noch Kinder sind. Der innerste Kreis und dessen Stärke ist entscheidend dafür, ob sich Echtheit in Gemeinschaft grundsätzlich durchsetzt. Randständig wird trotzdem alles mitgeschleift werden, vom pseudogemeinschaftlichen Getue bis zur ehrlichen Konfliktbewältigung von um authentische Gemeinschaft Bemühter.
Die innerste Kraft wird diese Fakten nicht ausspielen, nicht zum Gegenstand von Wettstreit werden lassen. Sie wird die Dinge sehen, wie sie sind, meistens ohne sie zu kommentieren. Nur da, wo es einen Lernschritt von jemandem bewirken kann, ist es sinnvoll, überhaupt darüber zu sprechen.
S. 223

Aus: Samuel Widmer Nicolet: Letters to the World/ Briefe an die Welt, Briefe, Basic Editions, 2009
Brief an Bill Gates
Braucht es nicht eine totale Veränderung, einen Umsturz, eine Revolution?
Das macht Angst, nicht wahr? Das ist zu gross für uns, nicht wahr? Aber zusammen könnten wir uns dem stellen, als Freunde wären wir dem gewachsen. Wir werden uns dem ja auch stellen müssen, es kommt sowieso auf uns zu. Aber wenn wir dem unweigerlichen Zusammen¬bruch des alten Systems zuvorkommen könnten, hätten wir bessere Chancen für einen weichen Übergang. Eine innere Revolution müssten wir in Gang setzen, eine Bewegung, die ein neues Denken, ein globales Denken, ein Denken füreinander statt gegeneinander hervorbringen wird. Konkurrenz, Gier und Neid, die heute unser Nebeneinander bestimmen, müssen ersetzt werden durch Mitgefühl und Liebe, die ein neues Miteinander regeln werden.
Dafür braucht es eine innere Revolution. Dafür müsste man all unsere Brüder und Schwestern gewinnen. Und daraus käme ein äusserer Umsturz, allmählich oder plötzlich, eine neue Weltordnung, ein völlig neues Leben.
S. 78

Brief an die Männer
Warum gebt ihr eure Kraft nicht für das Wesentliche, für Liebe und Mitgefühl, warum vertut ihr sie in grossartigen Spielen der Einzigartigkeit, des Siegens und Verlierens, des Wettkampfs und der Konkurrenz, des Gegeneinanders? Warum gebt ihr sie nicht für das Gemeinsame, für das Füreinander, für die Einigkeit? Warum erfindet euer grossartiger Verstand nicht endlich neue Spiele des Miteinanders? Warum?
S. 111

Aus: Samuel Widmer Nicolet: Celias Garten (unter Paul Nicolet), Roman, Basic Editions, 2006
Liebe umfasst alle Macht. Sie hat sie integriert und transzendiert. Sie steht jenseits von ihr, hat nichts zu tun mit ihrem Gerangel um Vorherrschaft und Dominanz. Sie ist die reine Unschuld. Sie steht mit nichts in Konkurrenz. Aber gerade darin ist sie stärker als alle Macht. Alles, was in Kontrolle und Machtanspruch verwickelt ist, kann vor ihr nicht bestehen. Es kommt an der Liebe
nicht vorbei. Es muss sich ihr beugen, sie bekämpfen oder verehren. Es kann mit ihr nicht gelassen koexistieren. Nur Liebe ist der Liebe wirklich gewachsen.
S. 20

Aus: Samuel Widmer Nicolet: Aus dem innersten Herzen gemeinsamen Seins, Von den Basics bezüglich Gemeinschaftsbildung/ Weitere Briefe an die Gemeinschaft, Basic Editions, 2007
Die Geschichte hat keinen Titel. Aber man könnte sie Die Überwindung oder die Transzendenz der Biologie nennen. Oder auch: Von der Biologie der Angst zu einer Biologie der Liebe.
Ein Schüler kam zu seiner Meisterin und fragte:
«So gerne möchte ich dir ganz nahe sein, aber alle Plätze um dich herum sind bereits vergeben. Das weckt meinen Neid, meine Eifersucht und meine Missgunst, all meine niedrigen Instinkte. Was soll ich tun?»
Die Meisterin antwortete:
«Alle Plätze um mich herum, die durch Liebe zu besetzen sind, die nur die Liebe besetzen kann, sind noch frei. Ich warte seit jeher und noch immer darauf, dass sie eingenommen werden.
Die Liebe setzt alle biologischen Gesetze ausser Kraft, transzendiert sie, übersteigt sie. In der Liebe gibt es keine Konkurrenz, niemand steht einem im Weg. Jeder kann jederzeit dazukommen.
Sie ist die Überwindung der Biologie der Angst für eine neue Biologie der Liebe. Sie ist auch die Auflösung des Inzesttabus.
Liebe ist die zweite Halbzeit der Evolution, das neue Genom, das sich durchsetzen wird, das erwachte Gehirn.
Hingabe ist immer ein Geschenk. Sie kann nicht erzwungen werden. Was erzwungen werden kann, ist lediglich die Ohnmacht. Sie ist nur ein dürftiger Abglanz der Hingabe, ein dürftiger Ersatz, aber auch ein Eingang zu ihr. In der Hingabe hat alle Macht ein Ende.
Die Macht, das Wollen, will sich immer dazwischen drängen. Es will nicht dazukommen. Es will immer etwas für sich haben. Darin gibt es tatsächlich keinen freien Platz, sondern nur den ewigen Kampf um die Besitzrechte. Die Hingabe, die Liebe, gesellt sich dazu. Sie schenkt sich. Sie ist eine andere Dimension des Seins. Jederzeit kann man da hinein eintreten, sich dem ergeben. Jeder und jederzeit. Nichts steht im Weg. Die Liebe ist das Wunder, das alles transzendiert, alles verändert. Und jeder kann daran Anteil haben, da hineinerwachen, einfach so. Die Liebe ist das Wunder. Darauf warte ich.»
S. 22

Die Aufgabe, die sich der Gemeinschaft […] stellt, besteht darin, in der Welt ein Feld von Liebe zu erzeugen, das, was man selbst gelernt hat, in die Welt zu tragen und weiterzugeben. Dieser Berufung folgen wir.
Wir sind Liebende. Unser Guru, dem wir dienen, ist die Kraft der Liebe. Wir stehen nicht mehr in einem Konkurrenzverhältnis zueinander, haben Neid und Eifersucht hinter uns gelassen. Wir haben gelernt, uns am Glück und Erfolg der anderen zu freuen. Darum sind zwischen uns Liebe und Nähe möglich, ein gemeinsames Blühen, in dem man alles Glück und alle Liebe zusammen teilt. Diejenigen unter uns, die ein Gefäss der Liebe geworden sind, die im Stande sind, ihr in sich Heimat zu geben, sind unsere Könige und Königinnen. Weil sie die Liebe sind, sind sie unsere Gurus, unsere Lehrer.
S. 174

Aus: Samuel Widmer Nicolet: Ins Herz der Dinge lauschen, Sachbuch Psychologie, Nachschatten-Verlag, 1989
Autoritätsprobleme sind sehr verbreitet, weil wir alle unter Autorität gelitten haben oder gedemütigt worden sind. Sie treten in Form von chronifizierter Auflehnung dagegen auf, in Form von falscher, hinterhältiger Anpassung oder als tatsächliche Unterwerfung. Darin steckt immer die Unfähigkeit, einen Besseren zu akzeptieren oder Angst, selbst der Bessere zu sein, und dies in bezug auf die Angelegenheit, welche Autoritätskonflikte auslöst. Das kann eine bestimmte Fähigkeit oder eine bestimmte Situation betreffen, oder es kann ganz allgemein meine Kraft und Fähigkeit im Vergleich mit einem anderen sein. Wenn wir mit dem Vergleichen begonnen haben, wenn wir durch den Neid unsere Unschuld eingebüsst haben, müssen wir eben nun lernen, ganz klar beurteilen und es auch annehmen zu können, wenn ein anderer (oder eine andere!) besser ist, stärker ist und auch fähig werden, ohne Überheblichkeit zu wissen, wann ich selbst den anderen etwas beizubringen habe, wann das Gefälle bezüglich bewusstseinsmässiger Kraft von mir zu ihnen geht. Das setzt Demut voraus, aber auch Mut. Diese beiden gehören zusammen, wenn Mut nicht zu Waghalsigkeit und Demut nicht zu Falschheit werden sollen.
[…]
Wenn wir ein System akzeptieren, in dem es Autorität gibt, werden wir immer entweder der Unterlegene oder die Autorität sein müssen. Der Unterdrückte zu sein, das kennen wir alle aus unserer Kindheit und Schulzeit, das wollen wir nicht mehr. Daher versuchen wir Autoritäten, Mächtige zu werden, und wenn wir es sind, bemerken wir vielleicht, dass wir genauso leiden, dass der Unterlegene und die Autorität gefühlsmässig identisch sind. Vielleicht erkennen wir dann, dass das System das Problem ist, dass unser Denken das Problem ist, aber dann stecken wir bereits mittendrin. Wenn du dich einmal in die Vorstellung einfühlst, eine Autorität zu sein, welch ein Stress! Das will doch eigentlich niemand; darin liegt doch kein Wohlbefinden! Also haben wir gar keine Wahl. Überhaupt jemand zu sein, ist etwas Schreckliches; nichts zu sein, psychologisch gesehen, ist die einzige Lebensart, die uns glücklich macht. Wir sind Nichts! Es ist ein Faktum, wir wollen es nur nicht sehen. Und wenn wir dieses Faktum leben, dazu stehen, dann sind wir nichts, und dann sind wir glücklich. Aber das führt uns bereits wieder ans Ende der Reise, die wir gerade erst begonnen haben.
S. 94

Aus: Samuel Widmer Nicolet: Vom Weg mit Herz,- Die Essenz aus der Lehre des Don Juan/ Eine Würdigung des Werkes von Carlos Castaneda, Sachbuch Psychologie, Nachtschatten-Verlag, 2002
Etwas, was mich gerade beschäftigt, ist die Autorität, die der Nagual im Kreis seiner Krieger hat. Du weisst, Manfredillo, ich habe in unserem Kreis zurückgewiesen, Macht zu haben, eine Autorität zu sein, weil es Abhängigkeiten schafft, Autoritätsprobleme erzeugt, nicht zu Freiheit führt. Aber wenn ich so über Don Juans Welt lese, frage ich mich manchmal, ob man Autorität und Macht auch noch ganz anders verstehen könnte, so dass ich vielleicht ganz gerne da hineingestellt wäre. Der Nagual in der Welt von Don Juan hat zum Beispiel die Aufgabe, die Lehre, die sein Zug vertritt, neu zu fassen und neu zu formulieren. Er hat die Autorität, das Wissen der Gemeinschaft in Sprache zu kleiden. Diese Macht wird ihm nicht von Abhängigen übergeben, sondern von den erwachsenen, ausgereiften Sehern seines Zuges. Die Macht, die er hat, ist damit nicht eine Herrschaft über andere, sondern eine Aufgabe, die in seine Verantwortung gestellt ist, genauso wie das Abwaschen oder Toilettenputzen. In einer solchen Macht würde ich gerne stehen, stehe ich vielleicht auch.
S. 245

Du erinnerst mich an die Frage, der wir uns einmal zusammen zugewendet haben, ob der Schüler nicht letztlich den Lehrer verlassen muss beziehungsweise dessen Wirkungsraum, um seinen eigenen spezifischen Wirkungsraum zu finden. Vielleicht musst du das. Es wäre die alte Geschichte. In der alten Geschichte waren Erleuchtete nie zusammen, sondern immer allein und umgeben von Abhängigen, weil Erleuchtete, sobald sie die Macht errungen hatten, daran Gefallen fanden und nicht darüber hinausgingen. Für mich wäre dies die neue Geschichte und das Ende aller Autoritätsgeschichten, die Macht, ein Eigenes zu haben, abzulegen und darüber hinauszugehen in eine Wirklichkeit, die noch zum Unvorstellbaren gehört, die man aber zusammen beabsichtigt, indem man sich der Absicht des Universums anschliesst, die sie schon immer beabsichtigt. Es gibt nicht meine Lehre, lieber Manfred. Es gibt nur die Lehre. Sie gehört nicht mir. Sie ist unabhängig von mir da. Ich bin ihr Diener.
Ich weiss noch immer nicht so recht, was die Lösung deines Problems wäre, lieber Manfred. Vielleicht müsste man das Suchen nach Anerkennung überhaupt aufgeben. Vielleicht geht das zusammen mit dem Aufgeben der eigenen Wichtigkeit. Das ist schwierig, das weiss ich von mir. Oder vielleicht müsstest du eher Anerkennung dort suchen, wo sie dir wirklich gebührt. Ich bin an sich gerne grosszügig mit Anerkennung, auch dir hätte ich sie gerne gezollt, weil ich weiss, wie sehr wir sie einander im Allgemeinen vorenthalten und wie sehr sie mir gefehlt hat und auf gewissen Ebenen immer noch fehlt. Aber es muss auch tatsächlich etwas zu anerkennen geben, sonst ist es eine Pharse. Stell dir vor, ich würde erwarten, dass mir alle huldigen wegen meines Cellospiels. Dann wäre ich verrückt, oder nicht? Verrückt, weil ich die Fakten, dass ich nämlich höchstens mittelmässig bin, nicht anerkenne. Deine Briefe sind einfach nicht gut genug für ein Buch, immer noch, obwohl du im Prozess unserer Arbeit besser geworden bist. Du bist zu wenig klar in deinen Aussagen, und bezüglich der Formulierungen sind sie nach wie vor zu fehlerhaft. Bist du wirklich ein Schreiber oder bist du es nicht?
Oder müsstest du vielleicht – das halte ich immer noch für das Wahrscheinlichste – endlich etwas tun mit dem, was du tatsächlich hast, es herausrücken und nicht nur davon träumen, aber es gleichzeitig trotzig zurückhalten. Dein Ding in die Welt setzen! Das, denke ich, ist auch die Herausforderung, die in der Falle, die dir unser Buch gestellt hat, steckt. Das würde Anstrengung bedeuten, die Faulheit überwinden, keine gemütlichen Fernsehabende mehr. Ein Buch zu schreiben ist vielleicht auch ein geistiger Höhenflug, aber vor allem ist es harte Arbeit. Dreiviertel der Zeit, die man dazu aufwendet, hat man es mit Disziplin und Exaktheit zu tun. Reine Fleissübungen. Der Trotz und das Autoritätsproblem schaffen nichts, was der Anerkennung wert wäre. Irgendwie erwartest du Anerkennung für ein Potenzial in dir, für das du aber immer einen Grund findest, es uns vorzuenthalten. Ist es denn nun da oder nicht? Zeig es uns! Oder dann lach darüber, dass alles nur ein neurotischer Traum war! Das Untier der eigenen Wichtigkeit kann man auf zwei Weisen angehen, entweder indem man anerkennt und darüber lacht, dass man tatsächlich völlig unbedeutend ist, oder dann indem man wirklich etwas Wichtiges in die Welt setzt, nur um zu sehen, dass auch das nichts ändert und letztlich keine Rolle spielt.
S. 564

Aus: Samuel Widmer Nicolet: Die Erneuerung von uns selbst und unserer Welt, Briefe an die Freunde der Bewegung der Selbsterkenntnis, Basic Editions, 2018
Und natürlich weckt es in allen, sobald in der Group of all Leaders jemand in Führung geht, alle unerledigten Autoritäts- und Konkurrenzprobleme. Alles, Neid und Gegeneinander, wird aufgekocht und kann im besten Fall zu einer Lösung, im schlechteren zur Ausgrenzung des Untauglichen führen. All das ist gut. Um all das geht es. Stunde der Wahrheit!
S. 21

In der materiellen Dimension, in der wir momentan zu Hause sind, wurde schon immer der Kampf zwischen der Angst und der Liebe ausgefochten, und das wird auch so bleiben. Konkurrenz, Feigheit, Uneinigkeit sind alles Diener dieser Angst. Wer wirklich im Licht stehen will, wird als Herzenskrieger diesen Urkampf in sich selbst beenden, indem er diese "Feinde" durch ihre völlige Integration überwindet. Schliesslich ist er mit allem einverstanden. Er sieht, dass das Schicksal Recht hat. Er ist gegen nichts.
S. 23

Konkurrenz, das bedeutet, sich zu vergleichen, sich miteinander zu messen. Konkurrenz bestimmt unser ganzes Leben. Von klein auf werden wir dazu angehalten, darauf konditioniert. Das Ziel ist auf allen Ebenen, besser zu sein, reicher zu sein, schöner zu sein, intelligenter und stärker zu sein als jeder andere. Ein total zerstörerisches Spiel, das die meisten in die Position des Verlierers katapultieren muss, aus der dann Neid und Hass geboren werden, weil wir das Ausgeschlossensein, das damit einhergeht, nicht zu ertragen meinen. Aber auch die wenigen Gewinner, denen es gelingt, sich durchzusetzen und einen begehrten Siegerplatz zu erringen, werden in dem grausamen Spiel verdorben. Korrumpiert und von Ehrgeiz besessen verlieren sie jede Empathie und jedes Mitgefühl und sind in sich, ihrem Geiz und ihrer egozentrischen Welt gefangen und isoliert. Ihre Gier frisst die Lebensgrundlage der Wesen, welche die Erde bevölkern, restlos weg.
Die Konditionierung auf Konkurrenz ist eine Konditionierung auf Trennung und damit, da wir tatsächlich nicht getrennt sind, auf Unwahrheit. Sie geht aus von einer beschränkten Optik des Getrenntseins und zementiert diese durch beständige Verstärkung mittels Wiederholung der konditionierenden Schlagworte. Isolation und die Flucht vor der ihr zugrunde liegenden Einsamkeit führen zu Abhängigkeit, welche wiederum die Sucht, die Gier nach dem Vergnüglichen als Ersatz und daher die Angst vor dessen Verlust in deren Schlepptau nach sich zieht. Ein endloser, zerstörerischer Teufelskreis.
Unsere Gesellschaft, geschaffen vom beschränkt denkenden, auf Trennung und Konkurrenz konditionierten egozentrischen Geist, ist voll von diesem destruktiven Spiel mit all seinen Folgen und Auswirkungen. Gerechtigkeit, Fairness, Ausgeglichenheit, all das, was sich die Falschheit der Moral, da sie das Gewissen der Herzebene doch nicht ganz verdrängen kann, trotzdem gerne auf die Fahne schreibt, kommt dabei komplett unter die Räder. Dass die menschliche Gesellschaft je zu einer Ordnung des Guten zurückfinden könnte, scheint absolut undenkbar, auf jeden Fall unvorstellbar, ohne dass es vorher zu einem alles vernichtenden Armageddon kommen wird. Dass die Menschheit das Bollwerk ihrer Gier und ihres Geizes aus Einsicht überwinden wird, scheint ausgeschlossen.
[…]
Neid und Missgunst sind die natürliche Konsequenz in einer Gesellschaft, die sich auf Konkurrenz begründet. Unzufriedenheit, die Gier des Zukurzgekommenen und des Unersättlichen, Konflikt und Krieg müssen daraus kommen. Probleme wie der Terrorismus zum Beispiel werden sich niemals beenden lassen durch noch mehr Kontrolle und zusätzliche Unterdrückung. Die Eskalation des Mehr-davon führt zum Krieg aller gegen alle. Die berechtigte Unzufriedenheit hinter einem Phänomen wie dem Terrorismus zu sehen, den Neid, der sich aus Ungerechtigkeit erheben muss, und das Ausgeschlossensein, das Zukurzkommen darunter zu würdigen, wird für die Menschheit unumgänglich werden. Ihre diesbezügliche Uneinsichtigkeit wird den Final Showdown herbeiführen, die Unintelligenz, die im nicht Sehen-Wollen dessen liegt, was Wirklichkeit und Wahrheit ist.
Die Freiheit, zu sehen, hinschauen zu dürfen, das Unbewusste ins Licht des Bewusstseins zu zerren, muss am Anfang stehen. Denn Intelligenz, ein intelligentes Neuhinschauen und Neubeginnen kann nur in Freiheit wirksam werden.
S. 193

Aus: Samuel Widmer Nicolet: … jedes Lidschlags dir gewahr/ Tantra - Ein Lehrbuch - von der Liebe Lebenskunst, Basic Editions, 2016
wir haben es schon früher festgehalten, Gemeinschaft wäre eine derart unglaubliche Kraft, eine Kraft der Einheit, wenn jeder gesund und ausgerichtet aufs Ganze natürlich und einfach tun würde, was er will, beitragen würde, was er kann – was für eine Freude würde uns verbinden! was für ein Glück! was für ein Zuhausesein beieinander! was für ein Aufgehobensein! alles wäre getan – alles würde viel einfacher ablaufen – alle wären wir viel weniger belastet – alle hätten wir mehr Musse und Freizeit, um uns der tantrischen Ekstase hinzugeben – keiner käme zu kurz – keiner hätte den Druck des Zuviels – keiner wäre überhaupt unter Druck – keiner müsste etwas, was er nicht will – jeder könnte einfach sich selber sein – es wäre schlicht unglaublich – ein Wunder – es ist so ein Leid, dass dieses Wunder zwischen uns Menschen nicht erblühen kann – dass wir es nicht wollen, bekämpfen, wo immer es sich durchzusetzen versucht, unseren Willen benutzen zur Abwehr davon du glaubst nicht, dass dies möglich wäre?(2)
S. 194

Aus: Samuel Widmer Nicolet: Die Kriegerschule / Die Kriegertexte , Sachbuch Spiritualität, Basic Editions, 2010
Die Lösung fürs Autoritätsproblem haben wir gefunden: Liebe deinen Lehrer! Wenn du liebst, woran du gebunden bist, wirst du frei davon. Oder: Wenn alle der inneren Stimme des "grossen Walfischs" gehorchen, fällt das Autoritätsding weg, da eh jeder den grösseren Kräften zu folgen hat.
S. 137

Aus: Samuel Widmer Nicolet: Die Wahrheit, Sachbuch Philosophie, Basic Editions, 2010
In spirituellen Dingen kann man von einem anderen nicht lernen, wie wir dies von der Schule oder Universität her gewöhnt sind. Jeder ist seine eigene Autorität. Trotzdem vermittelt das Zusammensein mit einem Lehrer einem Schüler noch viel mehr. Der Schüler verschlingt seinen Lehrer gewissermassen, er isst ihn auf, nimmt alles von ihm auf, seine Worte, seine Schriften, seine Lebensweise, sein Wesen, bis er es ganz verdaut hat und ganz von dessen Qualität durchdrungen ist. Dies ist die einzige Möglichkeit, von einem anderen etwas zu bekommen, was über Information und Technik hinausgeht. Das Lehrer-Schüler-Verhältnis muss eine intensive Liebesgeschichte sein, sonst wird diese Art von Verstehen gar nicht möglich.
In einem Ausbildungsverhältnis normaler Art vermittelt der Lehrer vorzüglich Wissen. Die Herkunft dieses Wissen belegt der Ausgebildete in seinem eigenen Schaffen jeweils durch entsprechende Literaturangaben und Zitierungen. Das ist die Weise, in der auf dieser Ebene der Ausbildner üblicherweise gewürdigt wird. In der wirklichen Lehrer-Schüler-Beziehung ist dies nicht mehr möglich.
Der Schüler hat die Worte und das ganze Sein seines Lehrers so sehr absorbiert, dass sie zu seinem Eigenen geworden sind. Er kann den Lehrer nicht zitieren; er kann nicht mehr trennen zwischen dem, was in ihm gewachsen, und dem, was er geschenkt bekommen hat. Seine Weise, den Lehrer zu würdigen, besteht deshalb darin, die Liebe zu diesem auszudrücken und überdies makellos anderen weiterzugeben, was er selbst erhalten hat.
S. 272

1) Aus: Danièle Nicolet Widmer: Was macht, dass du so schön bist? Liebesbriefe an ein aufgebrochenes Herz, Basic Editions 2001, S.147 und S.163
2) Das Buch „… jedes Lidschlags dir gewahr/ Tantra“ ist absichtlich ohne Punkte geschrieben, sozusagen in einem Fluss, das Fliessen, die Harmonie des tantrischen Geistes symbolisierend.